Archiv für März 2009

Udo Voigt bekommt Asyl

NPD-Parteivorsitzender kommt am 27. März nach Zwickau | Schulterschluss zwischen schnauzbärtigen Traditionalisten und schwarzgekleideten Schlägern | Gehört Zwickau demnächst zu Thüringen?

Es sieht schlecht aus für den dahinkrepierenden NPD-Parteivorsitzenden Udo Voigt. Trotz verzweifelter Appelle an die Kameraden, schwindet der Rückhalt für ihn mehr und mehr. Und trotz eines an Banalität kaum zu überbietenden Weltbildes, liegt die Nazi-Partei in tausend Trümmern. Besonders die sächsische NPD um Holger Apfel wünscht sich einen neuen Führer. Im Superwahljahr 2009 wird es schwer für Voigt überhaupt eine geeignete Wahlkampfstation in Sachsen zu finden. Ja gäbe es da nicht einen kleinen NPD-Ortsverband in Westsachsen.

Peter Klose, Vorsitzender der NPD in Zwickau, rollt Udo Voigt den roten Teppich aus. Am 27. März steht in der Gartenkneipe „Neuland“ im Stadtteil Schedewitz gemeinsames Wundenlecken auf der Tagesordnung. Noch sitzt Klose im sächsischen Landtag, doch er wird nach dem Ende der Legislatur nicht erneut einen Platz auf der Kandidatenliste bekommen. Ohnehin erteilte ihm die sächsische Führung in Dresden von Anfang an Redeverbot. Vielleicht weil er Udo Voigt stets treu ergeben war? Oder weil er vielmehr nicht in der Lage ist, überhaupt einen sinnvollen Satz zu formulieren? Dass hinter Klose in Wirklichkeit der Ronneburger Christian Bärthel die Fäden im Zwickauer NPD-Büro zieht, ist ein offenes Geheimnis und sinnbildlich für einen großen Teil der Nazi-Szene in Zwickau. Auch die so genannten „Freien Kräften“ haben den Großteil ihres führenden Personals aus dem benachbarten, und einem obendrein zutiefst braunem, Bundesland importiert.

Zu den Gastgebern gehört deshalb nicht zufällig auch die Zwickauer Niederlassung der überregionalen Vernetzungsplattform nazistischer Kameradschaften „Freies Netz“, welche dort eng mit der NPD zusammenarbeitet. Deren Führer Thomas Gerlach aus Meuselwitz (Altenburger Land) steht kurioserweise ebenso an der Seite Voigts und das obwohl sämtliche potentielle Gegenkandidaten für eine weitere Öffnung der NPD hin zu solcherlei Schlägertrupps stehen. Nichts anderes sind die so genannten „Nationalen Sozialisten Zwickau“. Der „Kameradschaftsführer“ (Zitat NPD-Mitarbeiter Christian Bärthel) Daniel Peschek, der wegen gemeinschaftlicher Körperverletzung bereits einschlägig vorbestraft ist, musste sich erst am 18. Februar vorm Zwickauer Amtsgericht verantworten. Die Liste der ihm zu Lasten gelegten Delikte wächst zusehends: von Beleidigung eines Polizisten über unerlaubten Waffenbesitz bis hin zu versuchter Körperverletzung wiederum an einem Polizisten findet sich noch so einiges bei dem 22-jährigen Nazi, der wie Gerlach aus Meuselwitz im Süden Thüringens kommt. Die nächste Verhandlung gegen ihn steht bereits im Juni an. Den Rechtsbeistand von Martin Kohlmann aus Chemnitz gibt es scheinbar umsonst, denn versucht es Peschek doch stets bei der nächsthöheren richterlichen Instanz aufs Neue. Ein mit einer Losung der Waffen-SS gespickter Bericht von Peschek auf der Zwickauer NPD-Homepage sorgte jetzt dafür, dass Kloses Immunität als Landtagsabgeordneter aufgehoben wurde. Dank ihm stehen nun auch Klose Strafverhandlungen ins Haus.

Die tiefen Zerwürfnisse zwischen der sächsischen NPD-Führung und den Voigt-Getreuen aus Zwickau deuteten sich jedoch bereits im Juni 2008 an. Damals wollte Daniel Peschek auf der NPD-Liste in den Kreistag des Landkreises Zwickau einziehen (siehe: de.indymedia.org/2008/05/218706.shtml). Der „Holger-Apfel-Fanbeauftragte Hartmut Krien“ (Zitat von Peschek, als er sich später auf der Nazi-Seite „Altermedia“ auskotzte) aus Dresden machte ihm jedoch einen Strich durch die Rechnung. Prompt setzte man Peschek zwei weitere Kandidaten in den Wahlkreis, die seinen Einzug verhindern sollten und auch verhinderten. Im Juni diesen Jahres möchten Peter Klose und Daniel Peschek gern einen Platz im Zwickauer Stadtrat bekommen. Zur Not auch ohne Unterstützung der NPD. Es ist wohl nur noch eine Frage der Zeit, bis sich der Ortsverband in Zwickau auflösen wird. Ohnehin hat er mittlerweile nur noch etwa fünf Mitglieder.

Aber wenn es für den Zwickauer Sonderweg schon aus Dresden keine Unterstützung gibt, dann versuchen es die „Freien Kräfte“ eben auf ihre Art. Deshalb machen die Jungs vom „Freien Netz“ jetzt alle Musik, genauer gesagt: National Socialist Hardcore (NSHC). Neben den mittlerweile bekannten „Eternal Bleeding“, „Moshpit“ und „Brainwash“, haben die nahezu gleichen Leute weitere Nebenprojekte wie „Diary of a dying Nation“ oder „Sharon Tate“ aus dem Boden gestampft. Kritisch bemerkte User „Teardown“ des Nazi-Forums „Thiazi“ kürzlich: „Sowas geht mir irgendwo auch auf die Nüsse. Inzwischen brauchste bloß noch 30 Leute und es kann in jeder Ecke Deutschlands ein Konzi mit mind. 4 Bands stattfinden.“ Und wozu das Ganze? Darüber klärte Daniel Peschek kürzlich die User der Internetcommunity „zwigge.de“ auf. Es geht schlicht und ergreifend darum, das Geld, welches unter Voigts Führung veruntreut wurde, wieder in die Spendenkassen der NPD zu spielen. So schrieb Peschek als „CoMeBaCk-KiD“ kürzlich zum Thema Nazikonzerte: „ich kann mich nich dran erinnern das brainwash mosphit eternal bleeding normannen kreuzfeuer usw jemals so ne gage genommen haben! (…) und die gelder werden vom veranstalter nicht privat kassiert, sondern damit werden wieder andere projekte finanziert.“ Auch hierbei laufen die Fäden in Thüringen zusammen. Die Proberäume der Bands finden sich in Altenburg, während alte „Blood & Honour“-Aktivisten, wie Patrick Wiedorn aus Arnstadt, die Organisation der Konzerte besorgen.

Fassen wir zusammen: In einer bei Fussball-Hooligans beliebten Kneipe treffen sich „Freies Netz“-Hooligans mit dem NPD-Bundesvorsitzenden Udo Voigt, um zu verhindern, dass Polit-Hooligans demnächst das Sagen bei der Nazi-Partei haben. Wer sich für dieses Spektakel interessiert, kann gern vorbeischauen. Treffen ist nicht wie zu vermuten wäre auf „Wald und Wiese“, sondern am 27. März um 18 Uhr vorm Zwickauer Westsachsenstadion. Na dann: „Sport frei!“