Archiv für Mai 2009

Demonstration gegen Nazigewalt

Alarmierender Anstieg rechter Gewalttaten – Neuerlicher Vorfall nach antifaschistischer Veranstaltung am 01. Mai – „Dritte Wahl“ hat Teilnahme zugesagt

Zwickau galt in den letzten 10 Jahren im Vergleich zu anderen Regionen Sachsens hinsichtlich Naziaktivitäten eher als ruhiges Pflaster. In den offiziellen Statistiken rechter Straftaten rangierte die westsächsische Metropole stets im unteren Drittel. Dies hat sich mit den neuen Zahlen zum Jahr 2008 schlagartig geändert. Im gesamtem Freistaat hat die Zahl der Nazi-Übergriffe, Propagandadelikte usw. zugenommen – die Zuwächse in Zwickau sind jedoch weit über dem sächsischen Durchschnitt!

Doch diese Entwicklung kommt nicht von ungefähr. Am 08. Mai 2007, also fast auf den Tag genau vor zwei Jahren, eröffnete die NPD ein sogenanntes Bürgerbüro unweit der Innenstadt. Und seit Sommer 2007 gibt es auch in Zwickau eine Abordnung des in ganz Mitteldeutschland und darüber hinaus agierenden „Freien Netz“. Mit Hilfe der NPD Zwickau, um den Landtagsabgeordneten Peter Klose und den Verschwörungstheoretiker Christian Bärthel, gelingt es zusehends junge Menschen an die Kameradschaft „Nationale Sozialisten Zwickau“ zu binden. Eine entscheidende Rolle spielt hierbei die Musik, besonders der sogenannte „National Socialist Hardcore“ (NSHC). Einzelne Kameradschaftmitglieder, wie Alexander Schliwka, Sören Leibnitz, Benjamin Klein und Michael Frenzel, haben zu diesem Zweck Bands wie „Diary Of A Dying Nation“, „Eternal Bleeding“ oder „Moshpit“ aus der Taufe gehoben. Wie bereits erwähnt mit Erfolg. Die Nazi-Aktivitäten ihrer lokalen Hardcore-Idole sind vielen Jugendlichen nicht bekannt beziehungsweise werden von der Szene teilweise unkritisch hingenommen. Das sächsische Innenministerium schätzt die Zahl der Mitglieder der Zwickauer „Freien Kräfte“ mittlerweile auf 50 (Vgl. Große Anfrage der Fraktion Die Linke „Die extreme Rechte in Sachsen und gesellschaftliche Strategien zu deren Zurückdrängung“). Eine erschreckend hohe Zahl, die vor einigen Jahren noch unvorstellbar gewesen wäre.

Von daher ist es zu begrüßen, dass sich langsam antifaschistischer Widerstand formiert. So kam es am 01. Mai diesen Jahres zum ersten mal seit Jahren zu einer großen Veranstaltung mit relativ klarer antifaschistischer Ausrichtung. Beim „Stay Rebel – Kein ruhiges Hinterland“ im Alten Gasometer gab es Vorträge und Konzerte, welche von über 400 Menschen besucht wurden. In jeder Hinsicht ein erfolgreicher Tag für die antifaschistischen Kräfte der Stadt. Doch dabei kann es nicht bleiben! Umso weniger weil es nach dem „Stay Rebel“ letzte Woche erneut zu Übergriffen von Nazis kam. Gegen 2.00 Uhr Nachts wurde die Zwickauer Hardcore-Band „First I Killed The Memories“ Ziel eines feigen Überfalls. Komplett vermummt stürzten mindestens zehn Schläger auf die Band. Zuvor brüllten sie „Nationaler Widerstand“ und so schnell wie sie auftauchten verschwanden sie auch wieder in ihren Lieferwägen. Eines der Fahrzeuge hatte gar ein falsches Kennzeichen. Am Ende bleibt das Bild eines gut geplanten Überfalls. Der offizielle Polizeibericht versucht jedoch eindeutig die Tat herunterzuspielen. So ist auch in der Lokalzeitung „Freie Presse“ nur von „drei Unbekannte[n], die aus einem dunklen Pkw ausgestiegen und zwei Musiker angegriffen hatten“ (siehe: artz.blogsport.de) die Rede. Hier ist eindeutig Nachholebedarf in Sachen Aufklärung der Bevölkerung notwendig.

Wie der Buschfunk vermeldet, soll es deshalb am 09. Mai eine antifaschistische Demonstration in Zwickau geben: „Für ein friedliches Zwickau! Naziterror stoppen! Solidarität mit „First I Killed The Memories“! Alternative Freiräume schaffen!“ Los geht es 16 Uhr vorm Alten Gasometer in Richtung NPD-Büro. Die Rostocker Punkband „Dritte Wahl“ hat ihre Teilnahme bereits zugesichert, da sie am Abend ohnehin im Alten Gasometer aufspielen wird. Es bleibt zu hoffen, dass auch aus Richtung der Hardcore-Anhängerschaft ein eindeutiges Zeichen gegen Nazis zu vernehmen sein wird.