Archiv für August 2009

Nazi-Krawalle am Rand vom Stadtfest

Wahlkampf der sächsischen NPD durch „Freies Netz“ gefährdet

Die teilweise bereits vorbestraften Kameraden der „Nationalen Sozialisten Zwickau“ werden einfach nicht schlauer. In der Tageszeitung „Freie Presse“ wird berichtet, dass es Samstagabend am Rande des Stadtfestes zu einer Schlägerei zwischen „30 betrunkenen Fußballfans“ und der Polizei kam. „Die Randalierer wollten auf der Äußeren Plauenschen Straße in Richtung Innenstadt und wurden am Ring von der Polizei aufgehalten. Es folgen Flaschen und Feuerwerkskörper. Vier Beamte wurden leicht verletzt, zwei Streifenwagen beschädigt. Fünf Randalierer, darunter eine junge Frau, wurden vorübergehend in Gewahrsam genommen.“; zitiert die Zwickauer Lokalausgabe vom Montag größtenteils aus dem Polizeibericht. Doch wie die „Freie Presse“ darauf kommt, dass es sich bei der „Gruppe von etwa 30 – 40 Personen“ (Polizeibericht) um „30 betrunkene Fußballfans“ handelt bleibt ihr Geheimnis.

Nach Recherchen des ARTZ sind die etwa 40 – 50 Betrunkenen ausschließlich Mitglieder der Zwickauer Nazi-Kameradschaft „Nationale Sozialisten“ beziehungsweise Leute aus deren Umfeld. Augenzeugen berichten dies übereinstimmend. Ein mittlerweile gelöschter Beitrag von Marten Hans (an dritter Stelle der NPD-Kandidatenliste zur Stadtratswahl) bei der Internetcommunity „zwigge.de“ kam einem Schuldeingeständnis gleich. Auch mehrere weitere Personen der Kameradschaft wussten dort erstaunlich gut über den Vorfall bescheid. Zu guter letzt versuchte noch der „Kameradschaftsführer“ höchstpersönlich, Daniel Peschek, die Eskalation der Gewalt vor der Forengemeinschaft zu rechtfertigen. Auch die Altersstruktur der in Gewahrsam genommenen Personen (23, 22, 22, 21, 24 und 20 Jahre) passt zum Bild des „Freien Netz Zwickau“. Ausserdem grölten die „Randalierer“ im Vorfeld des Polizeieinsatzes auf ihrem Weg aus Richtung Zentralhaltestelle (Nähe NPD-Büro und Nazi-Wohngemeinschaft) entlang der Äußeren-Plauenschen-Straße in Richtung Innenstadt lautstark neonazistische Parolen, wie Augenzeugen ebenfalls übereinstimmend berichten.

Im Mittelpunkt einer investigativen Berichterstattung über diesen Vorfall sollte also nicht die Anwesenheit dieser Leute bei Fussballspielen stehen (obwohl natürlich aus das ein Problem ist), sondern vielmehr ihre Zusammenarbeit mit der NPD. In Zeiten des Kampfes um den Einzug in den sächsischen Landtag sollten Medien wie die „Freie Presse“ bei solchen Aktionen genauer hinschauen. Nicht umsonst hat das neonazistische-Internetportal „Freies Netz“, in welchem sich Nazis der sogenannten „Freien Kräfte“ tummeln, seit mehreren Wochen eine Maulsperre von der NPD-Führung aus Dresden erhalten und die Seite vorläufig aus dem Netz genommen. Dass sich viele der Aktivisten vom „Freien Netz“ auf den Kandidatenlisten der NPD tummeln, ist schließlich hinlänglich bekannt. Während des Wahlkampfes haben die sogenannten „Freien Kräfte“ zu schweigen, um den erneuten Einzug der NPD in das sächsische Parlament nicht zu gefährden. Nach dem neuerlichen Vorfall am vergangenen Wochenende in Zwickau könnte es nun erneut Krach zwischen den lokalen Neonazis und der Parteiführung in Dresden geben. Denn nun droht was die sächsische NPD krampfhaft zu verhindern suchte: Negativschlagzeilen!

Naziaktivitäten am Montag in Zwickau zu erwarten

Statt Teilnahme an bundesweiter Aktion wahrscheinlich Kundgebung der Zwickauer NPD bereits am Nachmittag

Wie bereits auf vielen linken Websites zu lesen ist, rufen Nazis für Montag, den 17.08., anlässlich des Todestages von Hitler-Stellvertreter Rudolf Hess zu bundesweiten Aktionen auf. Hess hatte bis zu seiner Verurteilung die grausamen Massenmorde in den deutschen Konzentrationslagern verteidigt. Nicht zuletzt deshalb erfährt er in der Neonazi-Szene heute große Verehrung. Auch die sogenannten „Nationalen Sozialisten Zwickau“ machten in der Vergangenheit mit Plakataktionen zu Ehren von Hess auf sich aufmerksam.

Am Montag um 19:30 Uhr wollen nun angeblich Nazis an markanten Orten in vielen Städten zusammenkommen, um an Hess zu erinnern. Das Spektakel soll drei Minuten dauern. Auf einer Internetseite können Orte eingetragen werden, wo Aktionen stattfinden sollen. Das kann jedoch jede beliebige Person tun. In der Liste befindet sich neben Chemnitz, Leipzig und Freiberg, auch Zwickau (Kornmarkt). Allerdings ist relativ unwahrscheinlich, dass sich Nazis am Montag wirklich auf dem Kornmarkt sammeln, da Polizei, Stadt und Parteien informiert sind und solche angekündigten unangemeldeten Aktionen nicht vom Versammlungsrecht gedeckt sind und die Polizei eingreifen kann. Auch in diversen Naziforen wurden die Aufrufe als dilettantisch kritisiert. Dennoch rufen für den Fall der Fälle verschiedene Gruppen dazu auf, die Naziaktion am Montag 19:30 Uhr auf dem Kornmarkt zu stören und zu verhindern.

Viel größer scheint hingegen der Wahrheitsgehalt einer Meldung des Internetportals „bnr.de – blick nach rechts“. Demnach möchte die NPD Zwickau mit einer Kundgebung versteckt an Rudolf Hess erinnern. Angemeldet ist die Kundgebung in der Innenstadt am Dr.-Friedrichs-Ring/Ecke Innere Plauensche Straße um 17:00 Uhr. Wie auch immer: watch out!