Archiv für April 2010

1. Mai: Nazis in Zwickau? Blockade!

Am 1. Mai wollen Nazis im westsächsischen Zwickau aufmarschieren. Der antifaschistische Widerstand steht. Nach wochenlangem unübersichtlichem Geplänkel diverser Bündnisse und Gruppen ohne klare Strategie ist jetzt eines klar: am Samstag wird blockiert!

Welche Nazis?

Zur Nazi-Demo hat der sächsische Landesverband der NPD aufgerufen. Als Redner werden der Vorsitzende der sächsischen NPD Holger Apfel und der Chef der sächsischen NPD-Jugendorganisation JN Tommy Naumann angekündigt. Aus dem Spektrum der „Freien Kräfte“ wird der Aufruf ebenfalls unterstützt, da es dem „Freies Netz“-Chef Mike Scheffler in den letzten Monaten gelungen ist „Freie Kräfte“ und NPD auf gegenseitigen Kuschelkurs zubringen. Angemeldet sind „nur“ 200 Nazis, aber es dürften wohl deutlich mehr werden. Gerüchtehalber wird mit einer vierstelligen TeilnehmerInnenzahl auf Seiten der Nazis gerechnet, aber wieviele es letztlich werden, dürften auch die Nazis selbst noch nicht wissen. Ab 12:00 soll sich auf dem Bahnhofsvorplatz getroffen werden – um 13:00 soll die Demonstration losgehen.

Welche Gegenmobilisierung?

Im wesentlichen wird es am Samstag zwei Gruppen geben. Der CDU-Block ruft anstandshalber zur Demonstration gegen den Naziaufmarsch auf, hält aber nichts von Blockadeaktionen und wird ähnlich den vergangenen Jahren einfach nicht anwesend sein. Der Block um das Demokratie-Bündnis ruft zur Demonstration und indirekt auch zu Blockadeaktionen auf. Ob sich dessen Anhänger zu Blockaden überreden lassen, wird wohl eher situationsabhängig sein. Großes Anliegen ist hier die absolute Gewaltfreiheit, die aber ohnehin in allen Gruppen Konsens ist. Der „linke“ Block aus Gewerkschaften, VVN-BdA, Die Linke und Antifa setzt seit Anbeginn auf Sitzblockaden. Diese wird es am Samstag auch mit Sicherheit geben. Wie zuverlässig diese sein werden hängt im wesentlichen von der Zahl der TeilnehmerInnen an den Blockadeaktionen ab. Auch das bürgerliche Lager hat erfreulicherweise große Bereitschaft zu Blockaden signalisiert – nicht zuletzt die Oberbürgermeisterin. Es wird am Samstag ohnehin nur zusammen mit den bürgerlichen Kräften gelingen die Nazis zu blockieren. Entscheidende Voraussetzung ist hierbei gegenseitiges Vertrauen.

Was machen die Nazis?

Die Nazi-Demo ist vom Landratsamt genehmigt. Allerdings gibt es zwei wichtige Auflagen: 1. Die Nazis dürfen nicht in die Innenstadt. 2. Die Nazis haben nur bis 18:00 Uhr Zeit – also maximal fünf Stunden! Über die genaue Route ist nichts bekannt. Von der Bahnhofstraße bis zur Zentralhaltestelle als Wendepunkt war einmal die Rede – das wären bei direktem Wege insgesamt nur etwa drei Kilometer. Aber auch von Leipziger, Werdauer und Crimmitschauer Straße wurde im Landratsamt gesprochen. Dieses möchte die Nazi-Demo wohl gern durchsetzen und gibt deshalb keine genauen Infos raus. Ausgehend vom Hauptbahnhof gibt es aber ohnehin nur drei Straßen, welche als Nazi-Route in Frage kommen: Bahnhofstraße (DGB-Haus), die große Reichenbacher Straße und die sehr kleine Bachstraße. Es bräuchte am Samstag also „nur“ drei Blockadepunkte.

Was machen die Nazi-Gegner?

Wenn am Samstag von einer Gegendemo geredet wird, meint dies wohl einen Demonstrationszug vom Zwickauer Hauptmarkt in die Bahnhofsvorstadt. Auf dem Hauptmarkt kann mensch ab 9:30 Uhr einer Veranstaltung von DGB und Demokratie-Bündnis beiwohnen – muss dies aber nicht.

Bereits ab 9:00 Uhr findet in der Bahnhofsvorstadt – am DGB-Haus (500m vom Hauptbahnhof) – die Kundgebung „60 Jahre DGB“ statt. Diese Veranstaltung ist insbesondere für Anreisende interessant, weil sie unmittelbar am Ort des Geschehens stattfindet und mensch jederzeit mit der Begründung „Ich möchte dem DGB zum 60. gratulieren“ in die Bahnhofsvorstadt gelangen kann. Dort kann mensch bei Bratwurst und Schlager sicherlich ganz gut die Zeit totschlagen und der Dinge harren die da kommen, denn eine Anreise am Vormittag wäre schon sinnvoll, da die Nazis wie erwähnt auf 12:00 Uhr mobilisieren.

Richtig spannend wird es ab 11:00 Uhr. Denn dann ist eine „Anti-Nazidemo“ am DGB-Haus in der Banhofstraße geplant und zu dieser sind auch die Menschen vom Hauptmarkt herzlich eingeladen. So werden sich ab 10:00 Uhr also hoffentlich größere Menschenmengen aus der Innenstadt in die Banhofsvorstadt bewegen. Nun könnte mensch sich anschließen, denn dabei bewegen sie sich in die entgegengesetzte Richtung zur später stattfindenden Nazi-Demo.

Entscheidende Aufgabe wird es am Samstag sein die Nazis am Hauptbahnhof einzukesseln. Denn sind sie da erst einmal weg, gibt es jede Menge Möglichkeiten für den weiteren Verlauf der Nazi-Demo. Also am Samstag alle in die Banhofsvorstadt und an den Blockaden teilnehmen!