Zur Förderung des nationalen Zusammenhaltes

Zwickau bekommt sein eigenes „Freiheits- und Einheitsdenkmal“: die große Deutschland-Party steigt am 3. Oktober!

Deutschland ist in Partylaune! Die Jubelwelle kam bereits im Jahr 2006 so richtig in Schwung, als »die Welt zu Gast bei Freunden« sein durfte. Im vergangenen Jahr wurden die Jubiläen »60 Jahre BRD« und 20 Jahre »Friedliche Revolution« begangen. Erst jüngst hat Deutschland sich mal wieder zum »Sieger der Herzen« gekürt und mit Lena Meyer-Deutschland gab’s (fast) europaweites Schulterklopfen. Die Deutschland-Fahne ist längst im Dauereinsatz.

Das nationale Kollektiv tritt selbstbewusst auf, denn schließlich ist man Teil eines geläuterten Deutschland und hat aus der Geschichte gelernt. Die Opfer »zweier Diktaturen« entziehen sich zusehends der Verantwortung für die Verbrechen des Nationalsozialismus. Diese Lesart der Geschichte gilt es im Sinne der „Förderung des nationalen Zusammenhaltes“ (Deutsche Gesellschaft e.V.) nun in Stein zu meißeln. Wie Pilze schießen sie nun allerorten aus dem Boden: die „Nationalen Freiheits- und Einheitsdenkmale“. So auch in Zwickau.

Auf Antrag der Fraktion SPD/Grüne beschloss der Zwickauer Stadtrat in seiner Sitzung am 29. April 2010 die „Schaffung eines Freiheits- und Einheitsdenkmals“. Dieses soll „der Tatsache Rechnung tragen, dass wir (sic!) in selbst errungener (sic!) Freiheit und Einheit leben.“ Die rot-grünen Formulierungen lassen aufhorchen. Aha, unsere Freiheit, unsere Einheit – »Du bist Deutschland« oder was!? Und weshalb der Staat geteilt wurde, haben die Deutschen schon vergessen?!

Nein, nicht ganz: Anfang der Neunziger brannten im ganzen Land die Asylbewerberheime. Endlich wieder Herr im eigenen Hause; diese Freiheit musste schließlich erst am grünen (runden) Tisch „errungen“ werden. Das deutsche Kollektiv spendete Applaus. Jetzt werden fleißig Denkmäler ersponnen.

Freudig erregt berichtet die Lokalzeitung »Freie Presse« vom 25. September: „So sieht er aus, der Entwurf für das Freiheits- und Einheitsdenkmal, das am Rande des Parkplatzes am Alten Gasometer aufgestellt werden soll.“ Juhu! Auch die Wahl des Standortes ist in den Beschlüssen des Zwickauer Stadtrates protokolliert; dort heisst es: „Im Gasometer ist u.a. das Bündnis für Demokratie und Toleranz tätig. (…) Für den Standplatz in Nähe des Alten Gasometers spricht auch, dass sich im dortigen Verein ehemalige Mitglieder der Friedens- und Umweltbewegung der DDR engagieren.“ Ahja, das passt! Die ehemaligen Friedensbewegten aus der DDR machen sich heute als »wehrhafte Demokraten« für die Verteidigung „unserer“ Freiheit und „unserer“ Einheit gegen die Extremisten gerade.

Doch egal ob Deutschland auf der „Schwarz-Rot-Geil“-Party jubelt oder kulturbeflissen feiert, abgerechnet wird werktags. Die herrschende Freiheit ist zuerst und vor allem die Freiheit zur Konkurrenz, zum endlosen Wettstreit um den privaten Anteil am gesellschaftlichen Reichtum.

Netterweise hat die »Freie Presse« den siegreichen Entwurf für „unser“ Denkmal detailreich abgedruckt (siehe Abbildung). Leider ist zu befürchten, dass das in der rechten Szene beliebte »gleichschenklige Keltenkreuz« dann nicht mehr auf dem Mauerstück zu sehen sein wird. Das hätte manchem Tourist längeres Grübeln ersparen können. Zuletzt heißt es übrigens im Beschluss: „Als Zielstellung für die Verwirklichung des Freiheits- und Einheitsdenkmals ist der 3. Oktober 2010 vorzusehen.“

Na fein, am deutschen Nationalfeiertag wird also auch in Zwickau die nationale Würstchenmeile aufgeschlagen. Superdeutschland begießt zwanzig Jahre Einheit.

Kein Tag für die Nation – Kein Tag für Deutschland!

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