Soli-Demo für »Schwarzen Peter«

In Zwickau beteiligten sich am gestrigen Mittwoch 50-60 AntifaschistInnen an einer spontanen Demonstration für die Betroffenen des neonazistischen Brandanschlages in Limbach-Oberfrohna.

Die Demonstration startete gegen 16 Uhr und zog unbeaufsichtigt fünfundvierzig Minuten durch die Zwickauer Innenstadt. Erst gegen Ende versuchten Kräfte der Polizei vergeblich den Zug zu stoppen. Schließlich konnte sich die Demo am Endpunkt der geplanten Route ohne Eingreifen der Polizei koordiniert auflösen. Thematisiert wurde nicht nur die erneute Eskalation nationalistischer Gewalt in Limbach-Oberfrohna und der darauf folgende Brandanschlag auf die Vereinsgebäude der sozialen und politischen Bildungsvereinigung Limbach-Oberfrohna, sondern auch die unerträglichen Zustände, denen sich antifaschistische Personen in der sächsischen Kleinstadt ausgesetzt sehen.

Diese Zustände prägt nicht nur der ohnehin latent nationalistische Konsens im provinziellen Limbach, besonders die verfestigten Strukturen der NPD und das Wirken der parteinahen „Freien Kräfte“, welche die Stadt schon längst zur „national befreiten Zone“ erklären können, erschweren einen kontinuierlichen linksradikalen Widerstand in der Stadt. Hand in Hand mit den neonazistischen Tätern verleugnet der regierende CDU-Bürgermeister das rechte Problem in Limbach-Oberfrohna und kriminalisiert die alternative, emanzipatorische Freiraumpolitk der Bildungsvereinigung. Diese setzt sich seit langem für die Etablierung eines alternativen Zentrums in ihrer Stadt ein. Die Arbeit der letzten Monate verbrannte am 13.11. in den Räumen des Vereinsdomizils.

Unsere Solidarität gilt diesem Engagement und den Menschen, die in Limbach-Oberfrohna jeden Tag den Zumutungen der deutschen Provinz ausgesetzt sind. Dass sie trotz allem weitermachen, keine Ruhe geben, ist vor allem eines: bewundernswert.

Trotz allem, die spontane Demonstration konnte nur aufmerksam machen auf die Verhältnisse, vor allem in Limbach, aber auch in der ostdeutschen Provinz insgesamt; konnte die Zustände kritisieren, in denen neonazistische Grundhaltungen eben nicht nur ein Phänomen einer verschwindend geringen Minderheit sind, sondern weit in eine Gesellschaft hineinreichen, die es sich gemütlich gemacht hat im alltäglichen Stumpfsinn von Rassismus, Antisemitismus, Sexismus und Homophobie. Menschen, die in jener Atmosphäre eine linksradikale Gegenöffentlichkeit etablieren wollen, können nur als „Störenfriede und Chaoten“ diffamiert werden, denn eine Auseinandersetzung mit diesen, wäre ein Angriff auf den fröhlichen Party-Patriotismus, welcher ausnahmslos alle zum Mitmachen auffordert.

Am kommenden Samstag, den 20.11.2010, findet in Limbach-Oberfrohna eine Demonstration unter dem Motto „Das Problem: Naziterror. Die Lösung: Alternative Freiräume“ statt. Wir, verschiedene Gruppen der Region, rufen dringlichst dazu auf, antifaschistische Präsenz auch in der Provinz zu zeigen!

Mehr Informationen aus Limbach-Oberfrohna:
schwarzerpeter.blogsport.de!

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