Archiv der Kategorie 'news'

„NSU“-Sprühereien in Zwickau aufgetaucht

Mitteilung der Antifaschistischen Aktion Zwickau vom 11.12.2011

In der Nacht vom 09. zum 10.12. sind im Zwickauer Stadtteil Marienthal Nazisprühereien aufgetaucht. Neben Hakenkreuzen auch Schriftzüge auf welchen „NSU für immer“ zu lesen ist. Diese Tat widerspricht der Oberbürgermeisterin Pia Findeiß erneut, welche kürzlich im Sächsischen Fernsehen beteuerte, dass es in Zwickau keine Nazisprühereien geben würde.

„Diese Tat zeugt erneut davon, dass der Weg der Verdrängung welcher in Zwickau gewählt wird nicht der richtige ist“, sagt Annegrit Leitzsch, Sprecherin der Antifaschistischen Aktion Zwickau. „Zwickau ist nun doch nicht umsonst als Versteck für das Nazitrio ausgesucht worden. Nicht nur die minderjährigen Täter dieser Sprühereien spiegeln erneut das Wohlfühlklima wieder in welchem sich Nazis in Zwickau bewegen können“, führt sie weiter aus. (mehr…)

Nie wieder Zwickau!

25. November: Den Opfern der Nazigewalt würdig gedenken! Nazistrukturen offenlegen & bekämpfen! Deutscher Schuldabwehr widersprechen!

Am 11. November 2011 wurden zwei Nazis nach einem missglückten Banküberfall in Eisenach tot in ihrem Wohnmobil gefunden. Kurz darauf explodierte im Zwickauer Stadtteil Weißenborn eine Wohnung. Wie sich bald herausstellen sollte, war diese Wohnung jahrelang zentraler Knotenpunkt und Unterschlupf einer Nazi-Terrorzelle, die sich selbst als „Nationalsozialistischer Untergrund“ (NSU) bezeichnet. Die weiteren Untersuchungen ergaben, dass die Gruppierung in den vergangenen elf Jahren mutmaßlich zehn Morde und mehrere Anschläge verübt hatte.

Der Staat soll’s richten

Die mediale Empörung über diese Verbrechen kennt keine Grenzen. Wie konnte das passieren? Wer trägt die Schuld? Die Mehrzahl der Medien sieht im Versagen des Verfassungsschutzes die zentrale Ursache. In deutscher Tradition richtet sich die Anklage an die staatliche Autorität, schließlich haben der Staat und seine Organe für Ordnung in diesem Land zu sorgen. Sofern ihm dies nicht gelingt, ist er zu schwach und muss mit weiteren Kompetenzen ausgestattet werden. Mit dieser Erklärung können sich die Deutschen entspannt zurücklehnen. Nur in Zwickau ist es in den vergangenen beiden Wochen nicht mehr ganz so gemütlich. Die bundesweiten Medien haben die Nazi-Terroristen zur »Zwickauer Zelle« getauft und das passt den Würdenträgern in dieser Stadt nun überhaupt nicht. (mehr…)

Antifa fordert Reaktion der Stadt Zwickau

Pressemitteilung der Antifaschistischen Aktion Zwickau vom 16.11.2011

Die Neuigkeiten zu den Taten des Zwickauer Nazi-Trios beherrschen derzeit Medien und Politik. In den Verlautbarungen kommen Empathie mit den Opfern und adäquate Lösungsvorschläge jedoch zu kurz. Das betrifft auch und vor allem die Stadt Zwickau, die erst vor kurzem Gespräche zu einem Alternativen Jugendzentrum abgebrochen hat, weil sie um „den guten Ruf der Stadt“ fürchtet.

Das Zwickauer Nazi-Trio hat in den letzten 13 Jahren mind. 10 Menschen umgebracht, mehrere Banküberfälle und Sprengstoffanschläge zu verantworten. Unser Mitgefühl gilt dabei den Hinterbliebenen der Opfer, welche durch diese Anschläge verletzt oder getötet wurden. Jedoch sind aus Zwickau kaum Stimmen zu vernehmen, weder des Beileids noch der Analyse oder Aufarbeitung. Einzig der ehemalige NPD-Landtagsabgeordneter Peter Klose geriet durch seine Umbennung bei Facebook zu „Paul Panther“ kurzzeitig in den Fokus der Öffentlichkeit [1]. Dabei ist es jetzt nötig den Worten Taten folgen zu lassen! (mehr…)

Feiern zum achten Mai!

Westsachsen in Sektlaune | Jahrestag der Zerschlagung Nazi-Deutschlands gefeiert

Auch in mehreren westsächsischen Städten wurde in der Nacht von Samstag auf Sonntag auf den Jahrestag der Zerschlagung Nazideutschlands aufmerksam gemacht. In Glauchau, Zwickau, Rochlitz, Limbach-Oberfrohna, Burgstädt, Lunzenau und Geringswalde wurden Transparente aufgehängt, die an den 8.Mai 1945 als Tag der militärischen Zerschlagung des Nationalsozialismus und somit das Ende des deutschen Vernichtungswahns erinnerten.

Der 8.Mai steht aber auch für das Ende der staatlich gelenkten antisemitischen, ethnozentrischen und politischen Verfolgungen, schließlich für das symbolische Ende der Shoa. Dass gesellschaftlichen Ressentiments auch nach `45 noch ein fester Platz im deutschen Aufschwungs-Kollektiv sicher war und ist, sollte über die Feiern zum 8.Mai allerdings nicht vergessen werden.

Genauso wenig, dass dieser Tag kein Tag der Befreiung war. Befreiung impliziert, dass die deutsche Bevölkerung von der Herrschaft einiger weniger Nazis befreit wurden und verkennt somit die gesellschaftliche Basis von Vernichtungskrieg und Holocaust, die deutsche Bevölkerung. Die gewünschte Befreiung selbiger lag nicht im Sieg der Alliierten über Deutschland, sondern in Rassenwahn, Endsieg und Volksgemeinschaft.

Antifaschismus lohnt sich nicht

Das Soziokulturelle Zentrum der Zwickauer Region – »Alter Gasometer« – zwischen Anspruch und Wirklichkeit

Wenn die Partei »Die Linke« ihren alljährlichen »Antifaschistischen Ratschlag«, wie im letzten Jahr geschehen, in Leipzig veranstaltet, haben die Ortsansässigen dafür nur ein müdes Lächeln übrig. Die angekündigten Themen reißen dort zu Recht niemanden vom Hocker. In der sächsischen Provinz entfaltet solch eine Veranstaltung jedoch eine ganz andere Wirkung. Nicht umsonst fühlte sich der Oberbürgermeister von Mittweida, Matthias Damm (CDU), im Jahre 2008 dazu genötigt, in Sorge um den Frieden in seiner Kleinstadt, dem Residenzsitz der neonazistischen kriminellen Vereinigung »Sturm 34«, eben jenen Ratschlag mit allen Mitteln zu verhindern. Die Organisatoren mussten ins »Alternative Jugendzentrum« nach Chemnitz ausweichen und wurden dort mit offenen Armen empfangen.

Zwickau hat es bitter nötig!

Zu jener Provinz, die einen solchen Ratschlag bitter nötig hätte, gehört auch Zwickau. Umso erfreulicher, dass die Organisatoren des Ratschlags im Jahre 2011 in Zwickau Station machen wollten. Nun kann mensch über den (Alibi-)Antifaschismus der Partei »Die Linke« denken wie er will. Trotz aller Parteifloskeln kann solch ein Treffen mit überregionaler Ausstrahlung dafür Sorge tragen, dass die örtlichen Probleme mit Neonazis ein erweitertes Podium bekommen und der ein oder andere Berufsantifaschist für die Probleme einer Region sensibilisiert wird. Nicht zuletzt kann lokalen Akteuren die Botschaft vermittelt werden, dass sie mit ihrem Engagement gegen Nazis nicht allein dastehen.

Zwickau wird glücklicherweise von einer SPD-Oberbürgermeisterin regiert, die weit davon entfernt ist, sich wie so mancher CDU-Fürst aufzuführen. Die Verhinderung eines solchen Ratschlags durch die Stadtobere ist hier nicht zu befürchten. Dennoch wird es zu einer möglichen Initialzündung durch einen »Antifaschistischen Ratschlag« in Zwickau erst gar nicht kommen.

Gasometer will »Freiraum« sein!

Dem Anspruch des Vereins »Alter Gasometer e.V.« nach soll „das Soziokulturelle Zentrum der Zwickauer Region“ in der Kleinen Biergasse einen „Freiraum (…) entgegen dem zunehmendem Konsumverhalten“ bieten. Man begreift sich in Tradition der Friedensbewegung und des ehemaligen „Bunten Zentrums“. Wie es scheint der ideale Ort für einen solchen »Antifaschistischen Ratschlag«. Doch wie so oft, ist es auch hier mit den großen Idealen vorbei, wenn es um das liebe Geld geht. Dann erweisen sich all die schönen Worthülsen als ziemlich inhaltsleer. Einen »Antifaschistischen Ratschlag« wird es im »Alten Gasometer« nicht geben, weil ihn die Organisatoren aufgrund der horrenden Mieten im ‚Gaso‘ schlicht nicht finanzieren können. Nun darf die Frage erlaubt sein, was das dort für ein „Freiraum“ sein soll; ein „Freiraum“ dessen Inanspruchnahme sogar der zweitgrößten Partei in Sachsen zu teuer erscheint.

Ja wen kümmert es schon, wenn irgendeine Parteiveranstaltung in irgendeinem Veranstaltungssaal nicht stattfinden kann?! Beim »Antifaschistischen Ratschlag« handelt es sich jedoch glücklicherweise nicht um irgendeine Parteiveranstaltung, sondern um ein landesweites Treffen von antifaschistischen Gruppen und Einzelpersonen, von welchem insbesondere ländliche Strukturen ungemein profitieren können.

Alternativ? Geh doch ins Gasometer!

Doch was viel schwerer wiegt; das »Alte Gasometer« ist nicht irgendein Veranstaltungssaal, sondern „das Soziokulturelle Zentrum der Zwickauer Region“; das heißt im Klartext: ohne jede Alternative. In ganz Zwickau gibt es nicht eine einzige Lokalität in der solcherlei Veranstaltungen in dieser Größenordnung möglich wären. Die Stadt Zwickau entzieht sich mit Verweis auf das Zentrum „mit seinen oftmals alternativen Angeboten“ (Zitat, Homepage der Stadt Zwickau) seit Jahren erfolgreich jeglicher Verantwortung für die ‚alternativen‘ Jugendlichen der Stadt.

Wie die Selbstbeschreibung des ‚Gaso‘ deutlich macht, fühlen sich die dortigen Verantwortlichen äußerst wohl in der Rolle Betreiber des einzigen „Freiraums“ einer ganzen Region zu sein. Tja, wer möchte nicht gern das Monopol in einem Nischenmarkt inne haben. Für die alternativen Jugendlichen in Zwickau hat diese Entwicklung jedoch verheerende Folgen. Das Scheitern des »Antifaschistischen Ratschlages« ist hierbei nur ein Symptom. Dass an selbstorganisierte Veranstaltungen – „Erprobung und Experiment“ wie es im „Anspruch des Vereins“ heisst – durch Zwickauer Jugendliche nicht zu denken ist, wenn selbst »Die Linke« finanziell scheitert, dürfte klar sein.

Einmal mit Profis arbeiten!

Im »Alten Gasometer« geht die Professionalisierung inzwischen so weit, dass politische Inhalte überhaupt keinen Platz mehr haben. Aufkleber mit antifaschistischen Inhalten widersprechen dem Anspruch auf parteipolitische Ungebundenheit. Ein Übergriff durch Nazis nach einem antifaschistischen Konzert im Gasometer und eine darauffolgende Demonstration, geschehen im Jahre 2009, werden als Störungen des Betriebsablaufes empfunden. Solidarität oder Anteilnahme hatten die Betroffenen von Seiten der Verantwortlichen im »Alten Gasometer« nicht erfahren. Stattdessen sollte der Überfall am besten totgeschwiegen werden. Negativschlagzeilen sind schließlich schlecht für’s Geschäft.

Und um dieses Geschäft geht es im »Alten Gasometer« wesentlich. Darüber darf auch das hauseigene „Koordinierungsbüro“ des »Bündnis für Demokratie und Toleranz«, welches laut Selbsteinschätzung die „Aktivitäten gegen Fremdenfeindlichkeit, Antisemitismus, Gewalt und Rechtsextremismus“ (Zitat, Homepage des Bündnis) bündelt, nicht hinwegtäuschen. Wer annimmt der Verein würde damit immerhin einem Teil seines eigenen Anspruchs gerecht, verkennt, dass auch hier finanzielle Anreize ausschlaggebend für die Übernahme der Trägerschaft gewesen sein dürften. Im „Koordinierungsbüro“ wurden zwei Stellen geschaffen und es ist kein Geheimnis, dass der »Kampf gegen Rechts« Zugriff auf umfangreiche Förderprogramme gewährt. Doch auch bei jenem Demokratie-Bündnis existiert der eigene Anspruch nur auf dem Papier. Die Bündelung irgendwelcher Aktivitäten ist nicht wahrnehmbar. Stattdessen kommt die Bündnis-Infrastruktur nur in Bewegung und es wird sogar ein »Offener Brief« verfasst, wenn es darum geht gegen Kürzungen mobil zu machen, von denen der »Alte Gasometer e.V.« zukünftig betroffen sein könnte.

Goodbye Zwickau!

Niemandem ist der Kampf um den eigenen Arbeitsplatz zu verübeln. Doch es darf nicht zu viel verlangt sein, dass im »Alten Gasometer« mit offenen Karten gespielt wird. Statt den augenscheinlichen Mangel an einem alternativen „Freiraum“ offen auszusprechen, wird eine subkulturelle Alternative herbei halluziniert. Wäre der Verein tatsächlich nur grandios am eigenen Anspruch gescheitert, könnte dies zumindest Betroffenheit auslösen. Doch es drängt sich der Verdacht auf, dass hier ganz bewusst ein Luftschloss in die Stadt gesetzt wurde und dieser Umstand macht wütend. Das Gasometer hausiert mit Inhalten, die es längst nicht mehr bieten kann und stößt damit unweigerlich eine sehr wichtige Zielgruppe vor den Kopf. Beklagenswert sind in diesem Zusammenhang all die alternativen Querköpfe, die Zwickau seit Jahren den Rücken zukehren.

aaz | November 2010

*alle Zitate ohne Quellenangabe sind so auch auf der Internetseite des Alter Gasometer e.V. nachzulesen!